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Kinderheime und Jugendwerkhöfe in der DDR

Zwischen 1949 und 1989 wurden ca. eine halbe Million Kinder und Jugendliche in Heimen in der DDR untergebracht. Etwa 135.000 haben Zeit in Jugendwerkhöfen und anderen Spezialheimen verbracht. Der Großteil der Heime in der DDR war in staatlicher Trägerschaft. Die DDR-Jugendhilfe umfasste Kinderheime, Spezialheime und Jugendwerkhöfe. Gründe für die Einweisung in die Spezialheime und Jugendwerkhöfe konnten zum Beispiel sein, dass die Eltern politisch verfolgt wurden; die Kinder und Jugendlichen zu „sozialistischen Persönlichkeiten“ erzogen werden sollten; dass sie aus schwierigen Familienverhältnissen kamen, oder sich dem Erziehungssystem entziehen wollten und somit als „schwer erziehbar“ galten.

Für viele der Kinder und Jugendlichen bedeutete die Unterbringung in einem Heim oder Jugendwerkhof, dass sie in ihrer schulischen und / oder weiterführenden Ausbildung eingeschränkt wurden, dass sie zu unangemessener Arbeit eingesetzt wurden, keine ausreichende medizinische Versorgung erhielten und der Gewalt durch Personal oder andere Kinder und Jugendliche ausgesetzt waren. Nach anderen Berichten konnte eine Heimunterbringung je nach Lebenssituation auch eine Verbesserung der Lebensbedingungen bedeuten.

Eine umfassende wissenschaftliche Aufarbeitung der Bedingungen in Heimen und Jugendwerkhöfen der DDR und ihrer Folgen für die Betroffenen steht noch aus. Der  TESTIMONY Forschungsverbund  möchte hierzu einen Teil beitragen.

Weitergehende Informationen finden sie unter anderem auf den folgenden Seiten:

http://www.jugendwerkhof-torgau.de/

http://www.jahrhundertkind.de/de/

Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ (2012). Aufarbeitung der Heimerziehung in der DDR – Bericht. Berlin: Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe - AGJ. (zu finden unter: https://www.fonds-heimerziehung.de/dokumente/berichte-heimerziehung-in-der-ddr.html

Dreier, A. & Laudien, K. (2012). Einführung. Heimerziehung der DDR. Schwerin, Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik.

Laudien, K. (2013). Umerziehung und Menschenbild in der DDR-Heimpädagogik - von der „Allmacht“der Pädagogik. Trauma & Gewalt, 7(2), 134–142. 

Laudien, K., & Sachse, C. (2012). Expertise 2: Erziehungsvorstellungen in der Heimerziehung der DDR. Berlin: Beauftragter der Bundesregierung für die Neuen Bundesländer.

Mitzscherlich, B., Ahbe, T., Diedrich, U., Wustmann, C. & Eisewicht, P. (2019). Sexueller Kindesmissbrauch in Institutionen und Familien der DDR: Fallstudie zu den Anhörungen und Dokumenten der Aufarbeitungskommission. Berlin, Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs. 

Sachse, C. (2010). Der letzte Schliff: Jugendhilfe der DDR im Dienst der Disziplinierung von Kindern und Jugendlichen (1945 - 1989). Schwerin: Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik.

Zimmermann, V. (2004). „Den neuen Menschen schaffen“: die Umerziehung von schwererziehbaren und straffälligen Jugendlichen in der DDR (1945-1990): Böhlau Verlag Köln Weimar.

Beauftragter der Bundesregierung für die Neuen Bundesländer (2012). Aufarbeitung der Heimerziehung in der DDR – Expertisen. Berlin: Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe - AGJ. (zu finden unter: https://www.fonds-heimerziehung.de/dokumente/berichte-heimerziehung-in-der-ddr.html